Nibelungenlied

Entstehung: Passau um 1200
 

I. Teil: eingeteilt in 19 Aventiuren

1
In Worms hat die burgundische Herrscherdynastie ihren Sitz. Dort leben am Hofe die drei Könige Gunther, Gernot und Giselher mit ihrer Schwester Kriemhild und ihren Vasallen, deren erster Hagen ist.
 
2
In Xanten wächst Siegfried heran. Auf einem festlichen Hoftag wird er als neuer Herrscher eingesetzt, die Vasallen übertragen ihre Lehnsverbindung vom Vater auf den Sohn.
 
3
Siegfried will Kriemhild, von deren unvergleichlicher Schönheit er gehört hat, erwerben. Ausgestattet mit äußerster Pracht zieht er nach Worms. Dort vermag nur Hagen den bedrohlichen Panzerreiter vor dem Tor zu identifizieren. Er erzählt, dass Siegfried einen Drachen erschlagen und den Nibelungenhort erkämpft hat. Der friedlichen, formvollendeten Begrüßung, die folgt, setzt Siegfried eine Zweikampfforderung an Gunther entgegen. Erstaunt über solche Gewalttätigkeit bieten die Wormser Könige Siegfried noch einmal höflich an, als Gast über ihr Land und ihre Schätze zu verfügen. Siegfried lässt sich auf diese Lösung ein.
 
4
Boten der Sachsen und Dänen kommen nach Worms und sagen Fehde an, Gunther überträgt die Führung des Krieges Siegfried, der selber die beiden feindlichen Könige gefangen setzt.
 
5
Nach dem Sieg wird die Unversehrtheit des Hofes in einem großen Fest allen sichtbar gemacht. Siegfried findet sich durch den Anblick und den Gruß Kriemhilds belohnt und bleibt in Worms.
 
6
Auf Isenstein lebt die ebenfalls unvergleichlich schöne, aber starke Königin Brunhild. Alle, die um sie werben, müssen sich einem Kampfspiel stellen, das bisher niemand überlebt hat. Gunther will nach Isenstein ziehen und versichert sich mit dem Versprechen, ihm dafür Kriemhild zu geben, der Hilfe Siegfrieds. Als sie vor Isenstein ankommen, planen beide eine List. Beim Kampf geht es darum, den Stärksten als den der Königin sozial allein angemessenen Mann herauszufinden. Weil Siegfried der Gewaltigste ist, kann er Gunthers Werbung nur dadurch wahrscheinlich machen, dass er sich als Lehnsmann ausgibt. Siegfried hält ihm die Steigbügel.
 
7
Unter einer unsichtbar machenden Tarnkappe überwindet Siegfried für Gunther, der nur die Bewegung vollführt, die isländische Königin. Als ihre Lehnsleute zusammenkommen, dem neuen Herrscher zu huldigen, fürchten die Burgunden deren Übermacht und schicken Siegfried los, um aus dem Nibelungenland, das er einmal erobert hatte, ein Heer zu holen.
 
8
Siegfried kämpft mit den Wächtern, die er selber vor den Hort gestellt hat, und bringt das Heer zum Isenstein.
 
9
Danach reitet er als Bote nach Worms voraus.
 
10
Als Brunhild beim Hochzeitsfest in Worms erlebt, wie Siegfried, in ihren Augen ein Vasall der Herrscherfamilie, den Platz neben der Schwester des Königs einnimmt, sieht sie sich in ihrer sozialen Identität bedroht. Gunther aber weicht ihrer Forderung nach einer eindeutigen Klärung seines Verhältnisses zu Siegfried aus. Darauf verweigert sie sich ihm in der Nacht, fesselt ihn und hängt ihn an einem Nagel. Gunter muss Siegfried um Hilfe bitten, der unsichtbar ein zweites Mal Brunhild unterwirft. Ihren Ring und Gürtel nimmt er an sich und schenkt beides Kriemhild.
 
11
Siegfried und Kriemhild reisen nach Xanten und leben dort.
 
12
Viele Jahre später lässt Brunhild, die die Abhängigkeit ihres vermeintlichen Lehnsmannes Siegfried realisieren will, Gunther Boten nach Xanten schicken und Siegfried und Kriemhild zu einem Fest laden.
 
13
Auch dieses Fest verläuft zunächst formvollendet und friedlich unter ungeheurem Aufwand an Pracht.
 
14
Als aber Brunhild auf Siegfrieds und damit Kriemhilds Inferiorität besteht, will Kriemhild beim Kirchgang beweisen, dass es ihrem Status angemessen sei, vor Brunhild ins Münster zu treten. Beim Zusammenstoß am Portal zeigt Kriemhild Ring und Gürtel, behauptet, Brunhild selbst habe durch Siegfried ihre Unschuld verloren und lässt die Weinende draußen stehen. Gunther und Siegfried versuchen, den Konflikt gütlich beizulegen. Allein der Vasall Hagen sieht, wie sehr die Ehre seiner Herrin und somit die Ehre des Wormser Hofes verletzt sind, und betreibt den Tod des Xanteners.
 
15
Durch List erfährt er von Kriemhild die Stelle, an der Siegfried, nach einem Bad im Drachenblut mit undurchdringlicher Hornhaut versehen, verwundbar ist.
 
16
Auf der Jagd wird Siegfried - wieder mit List - von Hagen aus dem Hinterhalt getötet.
 
17
Nachts findet Kriemhild die Leiche vor ihrer Tür. Öffentlich bezichtigt sie Hagen und Gunther des Totschlags, beide gestehen ihre Schuld nicht ein. Angesichts der Überzahl der Burgunden hindert Kriemhild die Xantener, die mit nach Worms gekommen sind, am Rachekampf.
 
18
Die Xantener kehren heim, Kriemhild bleibt bei ihrer Familie.
 
19
Sie wird dazu gebracht, sich mit Gunther wieder zu versöhnen und den Nibelungenhort nach Worms zu holen. Als Hagen merkt, wie durch die Verfügung über den Hort Kriemhilds Macht am Hof wächst, raubt er ihn.
   

II. Teil: besteht aus Aventiuren 20 - 39

20
Der Hunnenkönig Etzel lässt durch einen Boten, Markgraf Rüdiger, um Kriemhild werben. Aber erst, als ihr Rüdiger ganz allgemein zusichert, sie für alles Unrecht, das ihr je widerfahren sei, zu entschädigen, ist Kriemhild zur Hochzeit bereit.
 
21
Kriemhild zieht nach Ungarn.
 
22
Kriemhild zieht nach Ungarn.
 
23
Nach 13 Jahren bittet sie Etzel, die Burgunden an seinen Hof zu laden.
 
24
Als Boten nach Worms kommen, wird die Hofreise trotz der Warnungen Hagens beschlossen.
 
25
Auf dem Zug erfährt Hagen durch Weissagungen, dass nur der burgundische Kaplan zurückkehren werde. Er versucht ihn zu ertränken, das gelingt ihm nicht. Darauf zerschlägt er die Fährschiffe, mit denen das Heer über die Donau gesetzt ist.
 
26
Dann sagt er den Wormsern, was sie erwartet. Das Heer gerät in Kämpfe mit den Herren des Landes, durch das es reitet, denn Hagen hat den adeligen Grenzwächter und den Fährmann erschlagen.
 
27
Die Burgunden werden auf der Burg Rüdigers festlich empfangen und reich beschenkt. Die Tochter des Markgrafen wird mit Giselher verlobt. Rüdiger begleitet seine Freunde zum Etzelhof.
 
28
Bei der Begrüßung wendet sich Kriemhild nur Giselher freundlich zu. Die Burgunden werden durch Dietrich von Bern gewarnt.
 
29
Hagen und der adelige Sänger Volker provozieren Kriemhild. Hagen bekennt sich offen dazu, Siegfried erschlagen zu haben. Kriemhild befiehlt ihrem Gefolge, die beiden anzugreifen, aber die Hunnen wagen es nicht.
 
30
Ein weiterer Angriffsversuch in der Nacht scheitert an Hagens und Volkers Wachsamkeit.
 
31
Zum Fest am anderen Tag erscheinen die Burgunden gepanzert und bewaffnet. Als Volker beim Turnier mit Absicht einen Hunnen tötet, verhindert Etzel weitere Gewalt.
 
32
Die 9.000 Trossknechte der Burgunden werden überfallen und umgebracht.
 
33
Kriemhild bietet ungeheure Reichtümer für den Kopf Hagens.
 
34
Die Dänen und Thüringer, Etzels Vasallen, berennen den Saal und bezahlen mit dem Leben.
 
35
Auch ein Hunnenheer wird vernichtet. Als Kriemhild anbietet, den Rest der Burgunden in Frieden ziehen zu lassen, wenn man ihr Hagen ausliefert, weigern sich die Könige. Darauf lässt Kriemhild die Halle anzünden.
 
36
Am nächsten Morgen verlangen Etzel und Kriemhild von ihrem Lehnsmann Rüdiger, gegen die Wormser anzutreten. Im Konflikt zwischen höfischer Freundschaft und Lehnstreue setzt sich die vasallische Bindung durch. Es kommt zum Kampf; Rüdiger und Gernot töten einander; Rüdiger stirbt durch das Schwert, das er dem Freund einst geschenkt hat.
 
37
Schließlich geraten die Leute Dietrichs von Bern in die Schlacht. Dann leben von den Burgunden nur noch Hagen und Gunther.
 
38
Dietrich überwindet die beiden und liefert sie Kriemhild aus. Diese verlangt von Hagen den Nibelungenhort zurück. Als er das verweigert, solange sein Herr noch lebe, tötet sie Gunther und bringt Hagen den Kopf. Hagen triumphiert, dass jetzt er allein das Versteck des Hortes kenne. Da schlägt Kriemhild mit Siegfrieds Schwert auch ihm den Kopf ab. Hildebrand, der Waffenmeister Dietrichs von Bern, tötet sie darauf voller Empörung ebenso. Übrig bleiben von den höfischen Festen nur Leid und Klage.
 
39
Die letzten Zeilen dieser Heldensage lauten:
"Ich kann euch nicht berichten, was weiter dann geschah, nur dass man immer weinen Christen und Heiden sah, die Ritter und die Frauen um ihrer Freunde Tod. Hier hat die Mär ein Ende. Das ist der Nibelungen Not."